Portrait — Architecture & a Good Life DE · EN

„Ich glaube, er baut anders“

Rico Gabathuler wollte einst nur ein kleines Wohnatelier bauen. Entstanden ist eine Siedlung aus Tiny Apartments, in der Wohnen, Natur und Gemeinschaft zusammenfinden — ein Portrait.

Portrait · Nurten Yurbas

Das Bio-top: Tiny Apartments zwischen alten Bäumen. Platzhalterbild — hier später ein echtes Foto einsetzen.

Manchmal denke ich: Ein gutes Leben ist einfach. Es braucht nicht viel: ein Dach, ein Stück Erde, Menschen, die füreinander da sind. Den Mut, langsamer zu werden. Die Offenheit, miteinander zu teilen. Die Freude an dem, was schon da ist. — Nurten Yurbas

In den letzten Jahren habe ich mich auf die Suche nach einem bewussteren Leben gemacht. Schritt für Schritt durfte ich wachsen — manchmal ganz bewusst, manchmal durch eine Führung, die größer ist als ich selbst. So führte mich der Weg schließlich an diesen besonderen Ort.

Auch wenn wir hier nicht am Vierwaldstättersee liegen oder ein Alpenpanorama vor der Haustür haben — das Bio-top ist von seinem Gefühl her etwas ganz Besonderes. Inmitten eines Stücks Landes, auf dem mehrere kleine Tiny Apartments stehen, ist etwas entstanden, das mehr ist als eine Siedlung.

Mein Vermieter und Eigentümer Rico Gabathuler ist dabei nicht nur ein Bewohner unter uns. Er ist auch derjenige, der die gesamte Architektur geplant und vieles selbst kreiert hat. Mit viel Herzblut, Ideenreichtum, praktischen Fähigkeiten und geistiger Weite hat er diesen Ort geformt — so, dass Wohnen, Natur und Gemeinschaft auf eine besondere Weise zusammenfinden.

Das folgende Portrait basiert auf einem Gespräch mit Rico — wiedergegeben in meinen Worten, nicht im klassischen Interviewformat. Es spiegelt seine Gedanken wider: sachlich, reflektiert, ohne Inszenierung. So, wie er selbst ist — ruhig, präzise und klar.

Am Anfang

…stand ein einfacher Gedanke: ein kleines Wohn- und Atelierhaus, selbst gebaut, auf dem Grundstück seiner Eltern. Die Planung war weit vorangeschritten. Alles war bereit. Doch dann — ein Bruch. Ein Herzinfarkt mit 38 Jahren. Und mit ihm das abrupte Ende eines Traums.

Aber die Idee ließ ihn nicht los. Mit der Zeit begann er, das Grundstück mit anderen Augen zu sehen — nicht mehr nur Fläche für ein Projekt, sondern ein Ort mit Potenzial. So entstand nach und nach eine neue Idee: Tinyhäuser, nicht als architektonischer Trend, sondern als Haltung. Jedes Haus sorgfältig gesetzt, in direkter Beziehung zu einem bestehenden Baum.

Für Rico war früh klar: Nicht der Ort soll sich dem Plan fügen, sondern der Plan dem Ort. Keine Abholzung. Keine geometrische Ordnung. Kein Eingriff — sondern ein Gespräch.

Dann kam die Bypass-Operation, und etwas, das vielleicht eine Nahtoderfahrung war. Der Gedanke, überhaupt zu beginnen, bekam plötzlich Schärfe und Richtung.

„Jetzt alles oder nichts. Und wenn's das Letztere ist — dann bin ich weg von euch.“

Rico Gabathuler, zu seiner Familie

Aus dem, was er selbstironisch den „Familienspeck" nennt, wurde Kapital. Nicht üppig — aber genug, um loszulegen. Was für ihn ein gutes Leben ist? Geborgen und verwurzelt in einer Umgebung, die einen trägt. Und offen für Glücksmomente, jeden Tag.

Architektur gegen den Strom

Als ich Rico fragte, warum er sich für das Konzept der Tiny Apartments entschieden hatte, kam seine Antwort ohne Zögern — fast leidenschaftlich. Es gehe um sanfte Verdichtung, nicht um Verdrängung. Um Achtsamkeit gegenüber der bestehenden Gartenkultur. Und um die Möglichkeit, minimalistischer zu leben — mit weniger Besitz, aber mehr Qualität.

Was mich besonders berührt hat, war, wie sehr ihm das gleichberechtigte Miteinander aller Lebewesen am Herzen liegt.

„Für jeden Bewohner gibt es hier auf dem Grundstück einen alten Baum.“

Rico Gabathuler

Was ihm bei der architektonischen Gestaltung am wichtigsten war? Der Mut, konsequent gegen den Strom zu denken — quer zur üblichen Architektur- und Wirtschaftslehre. Minimalistisch, ja, aber nicht leer. Sondern mit Tiefe, mit Genuss, mit Achtsamkeit.

Eine Begebenheit hat sich ihm besonders eingeprägt: Ein Architekt, der zufällig vorbeikam, sah sich um und meinte trocken: „So etwas sollte man eigentlich verbieten." Rico grinste nur. „Ich glaube, er baut anders", sagte er ruhig. „Aber letztlich war das das schönste Kompliment."

Gemeinschaft

Rico war schon immer klar: Er wollte mehr als Wohnraum schaffen. Es ging ihm nicht nur um Baukörper, Materialien oder Grundstücksgrenzen — sondern um die Frage, wie Architektur dazu beitragen kann, dass Menschen sich verbunden fühlen. Nicht durch Regeln, sondern durch Atmosphäre.

Wer hier wohnen möchte, begegnet vor dem Mietvertrag einem Interessenprofil. Es geht um ein achtsames Miteinander — nicht um Perfektion, sondern um Bereitschaft. Für Rico ist Gemeinschaft etwas, das nicht gemacht werden kann. Sie entsteht langsam, beiläufig, durch Gesten, durch Nähe.

Was ihn besonders berührt, sind die Feste — nicht als Ereignisse, sondern als Räume der Verbindung. Ein Gefühl von Zugehörigkeit, ein Moment echter Nähe.

Wurzeln

Einer der schönsten Momente für Rico war die erste Nacht in seiner eigenen Architektur. In dieser Stille nahm er etwas wahr, das ihn bis heute begleitet: die alte Föhrenkiefer, die direkt neben seinem Eingang steht. Vor sechzig Jahren hat er sie mit seinem Vater gepflanzt.

Und wenn er das Bio-top in drei Worten beschreiben müsste? Dann sagt er nicht drei Begriffe. Er nennt ein Bild.

„Ein wohlklingender Akkord.“

Rico Gabathuler, über das Bio-top

Vision

Für die Zukunft des Bio-top wünscht sich Rico eine Form von Sicherheit, die nicht über Eigentum funktioniert, sondern über Vertrauen, Teilhabe und gemeinsames Handeln. Die Idee: Eigentumsbildung bewusst vermeiden, und stattdessen eine gemeinschaftliche Form von Mitverantwortung schaffen.

Seine Vision reicht weiter als Strukturen. Er träumt davon, dass inmitten des Parks kleine, modulare Tinyhäuser entstehen — „kunstvoll zerstreut", wie er sagt. Nicht mehr Wohnfläche, sondern mehr Vielfalt. Und vielleicht, von Zeit zu Zeit, ein anderes Gesicht: das Bio-top als kleine Kulturplattform.

Nachwort

Manche Menschen machen nicht viel Lärm, aber sie verändern Räume. Still. Behutsam. Mit Blick und Gefühl. So ein Mensch ist Rico.

Was mich berührt, ist nicht nur, was er gebaut hat, sondern wie: nicht gegen, sondern mit dem Ort. Nicht über, sondern neben den Menschen. Nicht laut, sondern klar.

In einer Welt, die so oft von Geschwindigkeit und Besitz spricht, steht er für etwas anderes: für Qualität, für Nähe, für das feine Maß. Für ein Leben, das trägt, ohne zu drücken. Für Gemeinschaft, die atmet.

Nurten Yurbas

Autorin und Herausgeberin, kalós

Dies ist ein Layout-Entwurf. Ersetze das Platzhalterbild durch ein echtes Foto vom Bio-top oder von Rico, sobald du eins hast.